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  • Herwig Schlögl

ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG VON ADHS







ENTSTEHUNG | ENTWICKLUNG VON AD(H)S


In diesem Artikel geht es um die Entstehung und Entwicklung von ADHS aus neuro-biologischer Sicht. Ich werde mich bemühen, Ihnen die Thematik gut verständlich zu erklären.


Heute ist sich die Wissenschaft sicher, dass ADHS "mitvererbt" wird. Demnach erhalten Kinder, wenn nur ein Elternteil selbst von ADHS betroffen ist, mit einer 25-30% Wahrscheinlichkeit auch ADHS. Anders sieht die Sache aus, wenn beide Elternteile von ADHS betroffen sind, da liefern wissenschaftliche Belege eine Wahrscheinlichkeit von 80-90%.


Etwa die Hälfte, die im Kindesalter eine AD(H)S-Diagnose erhielten od. auch unerkannt blieben, leiden auch im Erwachsenenalter unter den AD(H)S-typischen Symptomen und darüber hinaus noch an mindestens einer weiteren psychischen Störung (Begleitstörung | Komorbidität).


Was die AD(H)S-Forschung heute auch mit Sicherheit sagen kann ist, dass ADHS eine Störung des Frontalhirns darstellt (Präfrontaler Kortex; übernimmt sämtliche Überwachungs- und Analysefunktionen; ganz besonders des Verhaltens; Entscheidungen; Interpretation von Erfahrungen).


Das Frontalhirn steuert alle "hereinpurzelnden" Informationen, die permanent, Sekunde | Millisekunde in uns eindringen. Diese zig-tausenden Reize müssen dementsprechend in unserem Gehirn gefiltert und sortiert werden. Manche Reize sogar gelöscht oder weitergeleitet werden. Und genau dieser Prozess wird in unserem Gehirn mittels Informationsverarbeitung erledigt.


Menschen mit ADHS können diese Informationen | Reize nicht zielführend verarbeiten. Deshalb ist es nachvollziehbar und verständlich, dass Menschen mit AD(H)S Schwierigkeiten mit Prioritäten-Setzung (entscheiden; organisieren; planen) aufweisen.

Es kommt zum totalen "Reiz-Tsunami" (derartig starke Reizüberflutung).


Biologisch -medizinisch konnte die Forschung Untersuchungen (Bildgebende Verfahren) vorlegen, die aufzeigten, dass die vorderen Hirnbereiche bei Menschen mit AD(H)S weniger durchblutet sind. In bestimmten Hirnregionen konnte eine verringerte Aktivität der Nerven (erschwert die Informationsverarbeitungen) festgestellt werden.


Diese wissenschaftlichen Belege sind wichtig, für die Forschung aber auch für die Menschen, die von ADHS betroffen sind. Erst wenn ich die Ursache meiner Störung oder Erkrankung verstehe, kann ich mich und mein Erleben und Verhalten verstehen.

Es liegt nicht an einem selbst, keiner ist verrückt, der sich das schon fast eingeredet hat.

JA, es gibt eindeutige neuro-biologische Gründe dafür!

Heute weiß die Wissenschaft, dass die hemmenden Funktionen des Frontalhirns nicht genug aktiviert werden und in Folge das Gehirn nicht wie notwendig arbeitet kann. Genauer gemeint ist an dieser Stelle der Motorkortex, der wichtige Abläufe wie Willkürbewegungen und Bewegungsabläufe plant, startet und auch speichert.

Dies erklärt die - mitunter - sehr überschießenden Reaktionen | Gefühle der Menschen mit ADHS.


Die Forschung konnte aufzeigen, dass die Hormone Serotonin (Neurotransmitter; Übertragung von Botenstoffen; reguliert Stimmung, Appetit, Schlaf, soziales Verhalten; "Glückhormon") und Noradrenalin (Neurotransmitter; Ausschüttung vor allem bei Stress) bei der Entwicklung von ADHS eine sehr bedeutende Rolle spielen.


Für die Entstehung von ADHS spielt auch das Hormon Dopamin eine wesentliche, wenn nicht die wichtigste Rolle. Das Dopamin ist ein Botenstoff (Neurotransmitter), welcher die Signale zwischen Nervenzellen weiterleitet. Dopamin steuert wichtige Funktionen, wie Aktivität, Antrieb, Motivation, Auslösen von Vorfreude und hat einen großen Einfluss auf unsere Entscheidungen.


Die Wissenschaft konnte erheben, dass Dopamin in einigen Hirnregionen nicht ausreichend vorhanden ist, bzw. zu schnell abgebaut wird. Das bedeutet, dass im Gehirn, genauer im synaptischen Spalt (Zwischenraum zw. 2 Neuronen / Nervenzellen), dem Wirk-Ort nicht genügend Neurotransmitter vorhanden ist.


Demzufolge haben Menschen mit ADHS häufig Schwierigkeiten, Gedanken und Handlungen zu steuern. Sie besitzen auch nicht die Fähigkeit, dominante Reaktionen zu unterdrücken oder eine bereits begonnene Reaktion zu beenden/stoppen od. sich bei einer Reaktion nicht stören zu lassen (Hemmungs-Prozesse).


In der Neurowissenschaft werden diese kognitiven Prozesse, die Verhalten und Aufmerksamkeit, aber auch Gefühle gezielt steuern "Exekutive Funktionen" genannt. Dabei handelt es sich insbesondere um das Arbeitsgedächtnis, die kognitive Hemmung/Unterdrückung (Inhibition) und die kognitive Flexibilität.


Die kognitive Flexibilität beschreibt die Fähigkeit zu erkennen, dass eine Strategie nicht funktioniert und eine mögliche Veränderung vorzunehmen hilfreicher wäre, um sich an die erhoffte/gewünschte Situation anzupassen.



Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ihnen einen kleinen Überblick über die neuro-biologische Entwicklung | Entstehung von ADHS geben konnte.


ADHS im Erwachsenenalter wird leider oft nicht erkannt. Eine genaue klinisch-psychologische Diagnostik kann die relevanten Symptome einer ADHS identifizieren.


Im nächsten Beitrag werde ich einige Methoden zur Behandlung von AD(H)S vorstellen!


Ihr Psychologe

Herwig Schlögl



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